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Donnerstag, 22. Mai 2014

Schnippschnapp...

...Äste ab

Das ist das Haus, in dem mein Mann und ich wohnen und in dem ich werkele, wusele, kruschtele und in dessen Garten ich dann und wann wühle.
 
Und direkt vor bzw. eigentlich hinter dem Haus steht ein großer Baum, mächtig und schon ziemlich alt (geschätzt wurde er von verschiedenen Seiten schon auf 150-200 Jahre). Hier ein Bild aus ganz alten Tagen...

Nun aber ist es vorbei mit dieser prächtigen Krone. Der Baum musste extrem beschnitten werden, weil unterhalb des Hauses die Gemeinde Grafenau ein Grundstück samt Gebäude darauf erworben, dieses erweitert hat und das vergrößerte Bauwerk demnächst als neues Rathaus bezogen und eingeweiht wird. Direkt unterm dem Baum sind die Besucherparkplätze des künftigen Rathauses. Und damit bei starkem Wind, den wir hier häufig haben, die Äste nicht auf die Besucherfahrzeuge fallen, musste hier ein Baumpfleger kräftig sägen. Und so sieht der Baum jetzt aus:


Ich liebe Bäume. Sie spenden Schatten, der Wind rauscht durch ihre Blätter und sie strahlen für mich - je älter sie sind - etwas Magisches aus.
Aber nun rauscht hier - zumindest dieses Jahr - nicht viel Blattwerk... Und Schatten wird es dieses Jahr auch nicht viel geben. Da hat der Baumpfleger ganze Arbeit geleistet. 
Einerseits denke ich genau das. Schade, dass der Baum jetzt so aussieht, so kahl, so ganz und gar nicht wie ein schön gewachsener Baum.
Aus der Sicht einer Gärtnerin denke ich aber auch, dass der Schnitt dem Baum gut tut. Er kann Kraft schöpfen für Neues. Dafür muss er dann eben auch mal sehr ungewöhnlich aussehen.
Kürzlich habe ich mir eine neue Zeitschrift abonniert - die Flow. Und da geht es im Leitartikel darum, was wir in unserem Leben manchmal auch an Dingen mit uns herumschleppen, die uns eher belasten als uns gut tun. "Wir kommen ... vielleicht beruflich in eine Sackgasse, halten an unguten und überlebten Freundschaften und Liebesbeziehungen fest oder schaffen es nicht, ungewohnte Angewohnheiten wie das Rauchen aufzugeben." (flow, Ausgabe 3/2014, Artikel: Caroline Buijs, Mehr Leben wagen, S.13)
So wie das Beschneiden des Baumes ihm letztendlich gut tut, kann auch mir ein Weglassen alter und unguter Gewohnheiten, Beziehungen, unnützer Sammelsurien gut tun und Kraft für Neues wird frei. Manchmal geschieht dieses Weglassen ganz aktiv durch Ausrümpeln zum Beispiel. Manchmal aber auch ist es eine Kündigung oder Arbeitsvertragsbeendigung, die einen tiefen Einschnitt im Leben darstellt. Auf diesem Ast geht es sozusagen nicht mehr weiter, da gibt es einen anderen Weg. Gerade letzteres habe ich erst vor kurzem selbst erlebt und noch ist es sehr ungewohnt für mich, nicht mehr um eine bestimmte Zeit bei meinem Arbeitgeber zu erscheinen.


Das Leben so zu sehen, ist nicht bequem, nicht einfach, das ist anstrengend, aufregend und ungewohnt und sehr spannend. Und es erzeugt letztendlich neue Energie und macht frei für neue Erfahrungen, neue "Äste".
In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Mut für neue Wege und Ungewohntes.

Liebe Grüße sendet Euch die Heike von Annajulie

Montag, 4. November 2013

Von der Schnecke und dem Tun

Als ich neulich die letzten Blümeleins aus dem Garten in der Küche ausbreitete, kam plötzlich diese süße kleine Weinbergschnecke dahergekrochen. Ich setzte sie erst mal auf dem Zeitungspapier ab, damit sich sie nicht noch im grünen Dickicht verirrte. 

In schneckenschneller Geschwindigkeit streckte sie ihre Fühler aus und tat einen "Schneckenschritt" vorwärts - weiter ins Ungewisse. So winzig - und doch so mutig.
In dem Moment dachte ich: Mannomann, von diesem Mut hätte ich manchmal auch gerne ne Scheibe ab. Keine Ahnung, wohin mich der Weg führt, aber Stillstand...? In einem Liedtext von Herbert Grönemeyer heißt es: 
"Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders, der erste Stein fehlt in der Mauer, der Durchbruch ist da."
Besser, ich tue den ersten Schritt und bewege mich, verändere mich, tue etwas. Und dann verändert sich das Drumrum irgendwann auch. Aber dazu gehört viel Mut. Eingefahrene Wege zu verlassen, etwas Neues zu wagen, unbekanntes Terrain betreten... So wie die Schnecke, einfach mal drauflos, mutig voran. Wenn ich nur stehenbleibe und mir den Kopf darüber zerbreche, was da alles für Schwierigkeiten und Probleme lauern, dann bin ich so verunsichert, dass ich den neuen Weg gar nicht mehr einschlagen will.
Und für die Schnecke ist es wahrhaftig ein Problem, sich plötzlich in meiner Küche wiederzufinden. Und dennoch geht sie los. Hätte sie sich zwischen all dem Grün nicht bewegt, hätte ich sie gar nicht bemerkt. Aber so habe ich sie bestaunt, ließ dank ihr meinen Gedanken hier freien Lauf und hab sie dann wieder zurückgebracht in den Garten zu ihresgleichen.
"Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man etwas tut." (Antoine de Saint-Exupéry)
...und wenn es nur das Weitergehen ist.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine schneckenmutige Woche.

Liebe Grüße sendet euch die Heike von Annajulie